Schlachtfeld Internet
am Mittwoch, den 14. Dezember 2011 um 11:12 Uhr von Benjamin veröffentlicht
Vor ein paar Monaten war ich noch harmlos und unbescholten. Damals verbrachte ich meine Freizeit unter anderem mit Computerspielen wie Virtua Tennis 4, Anno 1404 oder der Fußball-Manager-Serie. Das ist heute auch noch so, allerdings wird die Liste nun von einer polarisierenden Spielereihe ergänzt: Battlefield 3.

Bild: Electronic Arts
Obwohl ich eher zu den „Gelegenheitszockern” gehöre, gab es in letzter Zeit des Öfteren etwas längere Runden. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der genannte Titel inzwischen großen Anklang bei Freunden und Kollegen gefunden hat. So bleibt man auch mal „noch eine Runde” dabei, nicht selten bis zum Frühstücksfernsehen. Gestern hat der Entwickler und Betreiber des Spiels bzw. des dazugehörigen Netzwerks PC-Spielern weltweit zu einer unfreiwilligen Verschnaufpause verholfen. Eigentlich keine unbedingt schlechte Sache – in diesem Fall aber eine Frechheit.
Wurzel allen Übels ist Origin, die Plattform, die Electronic Arts (EA) dazu nutzt, illegale Verbreitung, privaten Gebrauchthandel, Spielen ohne bestehende Internetverbindung und die Privatsphäre einzuschränken und zu verhindern.
Natürlich wird niemand zu seinem Glück gezwungen. Weder ich noch irgendwer sonst stand vor der Entscheidung „Battlefield 3 oder Tod”. Warum man bei EA den Kunden jedoch keinerlei Vertrauen entgegenbringt und die genannten Nachteile durch angeblichen Komfortgewinn zu vertuschen versucht, ist (nicht nur) mir ein großes Rätsel. Wie viele Kunden wollen tatsächlich ständig auf verschiedenen Rechnern auf dieselbe Spielebibliothek zurückgreifen? Wer möchte gerne ein zweites Facebook mit Freunden, Statusmeldungen, Kommentaren und der totalen Überwachung, wann man mit wem auf welchem Server gespielt hat? Diese datenschutzrechtlich bedenklichen Funktionen sind der Standard im an Origin angebundenen „Battlenet”, über welches man in das Spiel einsteigen kann bzw. muss.
Gestern wurden dann der größte Nachteil der Origin-Plattform sichtbar: Aufgrund der gleichzeitigen Veröffentlichung der Erweiterung „Back to Karkand”, die im Wesentlichen Elemente aus dem Vorgängerspiel in die aktuelle Version brachte, sowie „Star Wars: The Old Republic” (SWTOR) kam es in den Nachmittag- und Abendstunden zu Ausfällen, die bei einem Großteil der Kunden alle in Origin registrierten (also einst dort gekauften oder per Schlüssel eingelösten) Spiele unbrauchbar machte. Origin wurde nämlich an der kritischsten Stelle getroffen: Die Server, die für die Anmeldung der Nutzer zuständig waren, funktioniert nicht mehr ordnungsgemäß.
Das war für mich keine große Sache, man kann seine Zeit ja auch sinnvoll nutzen.
Leider verschwendet die Spieleindustrie mehr Zeit und Mittel in Kontrolle und Ausübung von Marktmacht als in die Nutzerzufriedenheit, (zwangfreie) Kundenbindung oder echte Innovationen.
Früher hat man ein Spiel gekauft (bzw. lizenziert), installiert und gespielt. Eine Internetverbindung war höchstens für Mehrspielerfunktionalität notwendig und sinnvoll. Heute kann ich in vielen Fällen nicht einmal mehr Einzelspielerkampagnen ausprobieren, ohne meinen PC vom Spielehersteller durchleuchten zu lassen. Einen echten Zweck sehe ich lediglich darin, dass man auf diese Weise gegen Betrüger (Cheater) vorgeht, die immer ausgefeiltere Methoden finden, um anderen (und meines Erachtens auch sich selbst) den Spielspaß zu rauben.
Doch wenn Spiele mittlerweile nur noch „verpachtet” werden und die Verfügbarkeit von einer höheren Instanz abhängt, sollte dies auch entsprechende Konsequenzen haben: Eine Entschädigung, wenn es mal für längere Zeit (z.B. über eine Stunde hinaus) ohne Eigenverschulden nicht möglich ist, zu spielen. EA kann die 40 Euro, die ich bezahlt habe, ruhig behalten. Für Kleinigkeiten wie ein paar neue Mehrspielerwelten (Maps), Waffen oder Fahrzeuge trotz aller Probleme pro geschnürtem Paket 15 Euro zu verlangen, ist aber frech.
Welch Zufall: Bald ist doch das sogenannte Fest der Liebe. Versöhnt euch doch mit den Spielern! Lockert euren Origin-Zwang und verschenkt die neue Erweiterung „Back to Karkand”. Vielleicht würde ich dann in Zukunft noch einen Origin-abhängigen Titel kaufen.